Das Verkehrskontrollsystem 3.0, kurz VKS 3.0, ist ein videobasiertes Messsystem der Vidit Systems GmbH, das zur gleichzeitigen Überwachung von Geschwindigkeitsverstößen und Abstandsunterschreitungen im fließenden Verkehr eingesetzt wird. Das System ist seit Jahren in der Praxis etabliert und verfügt über eine Zulassung der Physikalisch-Technischen Bundesanstalt. Verwendet wird es vor allem auf Autobahnen und Schnellstraßen, um gefährliche Verkehrsverstöße frühzeitig zu erkennen und dadurch die Verkehrssicherheit zu erhöhen.
Im Mittelpunkt steht dabei die Kontrolle typischer Risikosituationen, insbesondere zu geringer Sicherheitsabstände und überhöhter Geschwindigkeit. VKS 3.0 kann sowohl stationär als auch mobil eingesetzt werden, etwa von Brücken oder anderen erhöhten Positionen aus. Als früheres System der videobasierten Abstandsmessung bildet es zugleich die technische Grundlage für die Weiterentwicklung zum moderneren VKS 4.5.
Aufbau und Funktionsweise des VKS 3.0
Für den Einsatz des VKS 3.0 werden mehrere Kameras an der Messstelle positioniert.
Eine Kamera befindet sich in der Regel in unmittelbarer Nähe zur Fahrbahn auf einem Stativ oder Podest, während weitere Kameras erhöht angebracht werden. Meist erfolgt das auf einer Brücke in mindestens drei Metern Höhe.
Wichtig zu wissen: Vor Beginn der eigentlichen Messung muss der gesamte Aufbau dokumentiert werden. Zudem wird ein Referenzvideo erstellt, das die Messstelle und die auf der Fahrbahn angebrachten Markierungen erfasst. Die Markierungen werden zuvor dauerhaft aufgebracht, mit einem geeichten Messgerät exakt vermessen und ebenfalls dokumentiert.
Die eigentliche Messung erfolgt innerhalb eines virtuellen Messfelds, das anhand dieser bekannten Bezugspunkte ausgewertet werden kann. Erfasst werden insbesondere Geschwindigkeit und Abstand der Fahrzeuge zum vorausfahrenden Verkehrsteilnehmer.
Die Berechnung stützt sich auf das Weg-Zeit-Prinzip und wird durch die zugelassene Software unterstützt. Die Aufnahmen lassen sich mehrfach überprüfen und dienen zugleich der Identifikation von Kennzeichen und Fahrer.
Für die abschließende Auswertung prüft ein geschulter Messbeamter die Videoaufnahmen und wertet diese anhand der dokumentierten Markierungen aus. Dadurch können neben Geschwindigkeits- und Abstandsverstößen unter Umständen auch weitere Auffälligkeiten im Fahrverhalten festgestellt werden.
Trotz technischer Vorkehrungen zur Fehlervermeidung kann es bei Abstandsmessungen mit dem VKS 3.0 immer wieder zu Fehlern kommen. Hierzu zählen unter anderem folgende bekannte Fehlerquellen:
- Fehlzuordnung der Identfotos zu den Messergebnissen durch den Messbeamten
- abweichende Zeitangabe in dem Beweisfoto (Fahrer und Kennzeichen) zu jener der Messergebnisse.
- fehlerhafte Gerätekalibrierung (u. a. Einstellung der Fahrbahnmarkierungen)
- fehlerhafte Auswertung durch den Messbeamten
Vorteile und Einsatzmöglichkeiten des VKS 3.0
Das VKS 3.0 hat sich in der Praxis vor allem deshalb bewährt, weil es Abstands- und Geschwindigkeitsverstöße gleichzeitig erfassen kann und dabei flexibel einsetzbar ist. Anders als klassische Radarmessungen arbeitet das System videobasiert und gewährleistet eine genaue Auswertung über mehrere Fahrspuren hinweg. Durch die softwaregestützte Analyse lassen sich die Aufnahmen nachvollziehbar prüfen und bei Bedarf wiederholt auswerten, was für die spätere Beurteilung im Verfahren von erheblicher Bedeutung sein kann.
Zu den wesentlichen Vorteilen des Systems zählen insbesondere:
- gleichzeitige Erfassung von Abstands- und Geschwindigkeitsverstößen
- videobasierte Messung ohne Einsatz klassischer Radartechnik
- mobile und stationäre Verwendung an unterschiedlichen Messstellen
- große Reichweite und Überwachung mehrerer Fahrspuren zugleich
- PTB-zugelassene Technik für grundsätzlich verwertbare Messergebnisse
- wiederholbare Auswertung der Aufnahmen durch die eingesetzte Software
- zusätzliche Erfassung weiterer Auffälligkeiten wie Handybenutzung oder fehlender Sicherheitsgurt
- nachvollziehbare Dokumentation der Messstelle durch Referenzaufnahmen
- wirtschaftlicher Einsatz durch mehrfach verwendbare technische Komponenten
- Beitrag zur Verkehrssicherheit durch die Kontrolle besonders unfallträchtiger Bereiche
Gerade an stark frequentierten Straßenabschnitten, an Unfallhäufungsstellen oder in besonders sensiblen Verkehrsbereichen zeigt das System seine praktischen Stärken. Gleichzeitig gilt auch hier, dass die Verwertbarkeit der Messung stets vom konkreten Einzelfall und von einer ordnungsgemäßen Durchführung abhängt.
Fazit: Bewertung des VKS 3.0 und rechtliche Einordnung
Das VKS 3.0 ist ein praktisches Messsystem, das grundsätzlich eine verwertbare Überwachung von Geschwindigkeits- und Abstandsverstößen sicherstellt. Die technische Zulassung und die bisherigen Erfahrungen sprechen dafür, dass das System bei ordnungsgemäßer Einrichtung und Auswertung zuverlässige Ergebnisse liefern kann. Gleichzeitig ist das Verfahren jedoch nicht frei von möglichen Schwachstellen. Gerade die Qualität der Aufnahmen, die Zuordnung der Fahrzeuge und Kennzeichen sowie die konkrete Auswertung im Einzelfall können Anlass für eine kritische Prüfung geben.
Bestehen Zweifel an der Richtigkeit der Messung, sollte die Verwertbarkeit nicht vorschnell hingenommen werden. In solchen Fällen kann es sinnvoll sein, die Aufnahmen und die Messunterlagen sowohl technisch als auch rechtlich überprüfen zu lassen. Ein Sachverständiger für Verkehrsmessungen und ein im Verkehrsrecht erfahrener Rechtsanwalt können beurteilen, ob die Messung plausibel, ordnungsgemäß dokumentiert und im konkreten Verfahren tatsächlich verwertbar ist. Weiterführende allgemeine Informationen zur VKS-Messung finden Sie hier.